Update zu Beethoven und Dackel!


Wir bedanken uns von Herzen bei Ihnen allen, die Sie am Schicksal von Dackel und Beethoven teilgenommen, mitgehofft und mitgelitten und die kostenintensive Fütterung, die Diagnostik und die OP´s zu finanzieren geholfen haben. Nun ist es an der Zeit zu berichten wie es den beiden weiterhin ergangen ist.


Die Geschwister Beethoven und "Dackel"

Beethoven
Beethoven hatte nach gut zwei Monaten intensiven Päppelns ein OP-taugliches Gewicht von 17,5 kg erreicht. Damit war er immer noch sehr dünn, zumal er jede Menge Energie gleich in Wachstum umgesetzt hat, aber er war stabil genug für die Narkose und hatte etwas zuzusetzen für die Tage nach der OP.


Beethoven

 

Aber dann kam alles anders. Wir wussten ja von Vornherein, dass seine Chancen nur bei 50% lagen, aber wir hatten ihn wachsen und aufblühen sehen, hatten begleiten dürfen wie er die Welt kennenlernte, durch den Wald pirschte, über Bäche sprang und durch Wiesen strolchte. Wir konnten zusehen, wie er stabiler wurde und Muskulatur aufbaute, durften erleben, wie er Kontakt aufnahm und Vertrauen schenkte und haben Hoffnung geschöpft, dass es für ihn ein lebenswertes Leben geben könnte. Ein Leben nach der OP. Ein Leben auf der Sonnenseite der 50%-Chance.
Aber es sollte nicht sein. Beethoven ist auf der anderen Seite der Haaresbreite geblieben. Bei der OP stellte sich heraus, dass die Engstelle in seinem Schlund noch enger geworden war als zum Zeitpunkt der Computertomographie. Eng und lang und verhärtet. Trotz der dünnflüssig pürierten, hochkalorischen Spezialnahrung hatte sich vor der Engstelle bereits eine faustgroße Aussackung gebildet, in der bei jeder Fütterung Futter liegen geblieben war. Selbst flüssige Nahrung konnte die bleistiftdicke Engstelle nicht so schnell passieren, wie Beethoven sie aufgeschlabbert hatte.
Durch das Liebenbleiben von Futter wird so eine Aussackung nicht nur immer größer, sondern es bilden sich mit der Zeit auch Entzündungen. So weit war es zum Glück noch nicht gekommen. Aber es gab nun keine Chance mehr, die Engstelle zu weiten und keine Möglichkeit die Aussackung zu verkleinern. Also haben die Tierärzte entschieden, ihn gleich aus der Narkose in die ewigen Jagdgründe gehen zu lassen. Ein Versuchskaninchen, dass langsam und in kleinen Portionen stirbt sollte er nicht werden.

Ich habe ein paar Tage gebraucht um den Kummer in Worte zu fassen und wir sind froh, dass wir die diagnostischen Mittel bis zum Ende ausgeschöpfen konnten. Auf Verdacht hätten wir uns nicht durchringen können sein kleines Leben beenden zu lassen. Und trotzdem hätten wir ihm alle etwas anderes gewünscht.


Dackel

Dackel
Von seiner rotzfrechen Schwester Dackel sind inzwischen digitale Röngtenaufnahmen gefertigt worden. Die Befunde sind gruselig, aber Dackels Zustand gibt keinen Anlass zur Sorge. Es ist eher so, dass Ihr spätere Sorgen in Aussicht gestellt werden, die wir dann - hoffentlich schon in einem endgültigen Zuhause - mit jetzt zu bildenden Rücklagen lindern oder beheben helfen können.
Aufgrund ihres wackeligen Gangbilds und der extrem abfallenden Hüfte ging der Anfangsverdacht am ehesten in Richtung einer ausgeprägten Hüftdysplasie. Nach den Röntgenbefunden können wir nun sagen, dass die Hüfte zumindest nicht das größte Problem ist...
Für all diejenigen, die sich damit auskennen kann das Hüftproblem auch in Zahlen ausgedrückt werden:
Auf der einen Seite beträgt der Norbergwinkel zwischen Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne zwischen 100° und 105°, das ist gar nicht soo schlecht, auf der anderen Seite liegt er leider zwischen 90° und 100°, da spricht man schon von einer Hüftdysplasie, die Gelenkpfanne umschliesst den Oberschenkelkopf nicht stabil. Für eine Kapselraffung, die beste Möglichkeit ein Hüftgelenk zu stabilisieren, sind die Wachstumsfugen leider schon zu weit geschlossen.
Gravierender jedoch ist der Befund im Cauda Equina Bereich, das ist der Übergang von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbeinbereich. Der letze Lendenwirbel steht hoch, der erste Kreuzbeinwirbel tief, dadurch entsteht eine Engstelle oberhalb der Wirbelsäule, an einer Stelle, wo viele Nerven "pferdeschweifartig" (daher der Name Cauda Equina) dem Rückenmark entspringen. Durch die Engstelle werden die Nerven gequetscht, die Nerveninformationen, die für die Beweglichkeit von Hinterbeinen und Rute vonnöten sind, werden nicht mehr richtig transportiert.
Es gibt verschiedene in Frage kommende OP Methoden, die aber alle erst am erwachsenen Hund durchgeführt werden können. Nach neusten Erkenntnissen ist die erfolgreichste Methode ein teilweises Wegfräsen an der Oberkante des letzten Lendenwirbels, da die Engstelle dadurch deutlich weiter wird. Eine solche OP führt man aber erst durch, wenn der betroffene Hund Schmerzen oder Beschwerden zeigt, also vermutlich erst im Alter von ein paar Jahren. Die OP in unmittelbarer Nähe des Rückenmarks birgt natürlich Risiken, wird aber von entsprechenden Fachkliniken routinemäßig durchgeführt und verspricht in jedem Fall großen Erfolg. Da Dackels Vermittlung nicht so lange warten soll und wir ihre neue Menschenfamilie nicht mit den ganzen Kosten im Regen stehen lassen wollen, werden wir für Dackel ein möglichst großes OP-Zuschuss-Depot anlegen, das, wenn es soweit ist, abgerufen werden kann. 
Und als wäre es damit nicht genug, zeigt die Aufnahme ihres linken Knies, das auch deutlich instabiler als das rechte ist, einen dicken Erguss. Dieser könnte ein Hinweis auf einen Kreuzbandriss sein. Ebenso wahrscheinlich ist aber, dass der Erguss eine Überlastungsreaktion des vorher kaum beanspruchten Gelenks ist, entstanden dadurch, dass die springlebendige Hündin plötzlich und ohne vorher Muskulatur aufzubauen, ihren Bewegungsdrang auslebt. Schmerzen zeigt sie jedenfalls keine. Auch an dieser Stelle heißt es also Abwarten und Tee trinken, gut beobachten in welche Richtung sich was verändert um dann zur rechten Zeit die nötigen Maßnahmen ergreifen zu können.
Abschließend bleibt zu Dackel nur noch zu sagen, dass sie auf gepackten Koffern sitzt und gerne in Ihr Leben einziehen und für jede Menge Abwechslung sorgen würde!
 


 

 

Tierschutzfälle